Memo aus Navarra: Cowboyland #3
Am Ostermontag wandere ich hungrig durch Navarra. Alles zu, auf das Pilgermenü habe ich keine Lust. Die Landschaft erinnert mich an alte Westernfilme. Vor wenigen Tagen waren die Wege aus Matsch, jetzt sind sie staubig und trocken. Den ganzen Tag geht es bergauf, bergab, wieder rauf. Manchmal kommt ein kleines Dorf aus dem Nichts. Der Rucksack drückt mich nach unten.
Nach ein paar Kilometern hebe ich den Kopf, der Schweiß läuft mir in die Augen. Vor mir stehen zwei Pferde, festgebunden an einem Gitter auf einer Mauer. Sie sehen mich direkt an. Ich sehe sie an und bleibe stehen.
„Sollte mir ein Pferd zulegen“, sage ich zu mir selbst.
Kurz darauf kommen zwei Cowboys auf mich zu — mit Cowboyhut und Cowboystiefeln. An ihrem Gang erkenne ich Stolz, sie sehen gut aus. Sie gehen an mir vorbei zu ihren Pferden, steigen auf, reiten der Sonne entgegen. Ich setze mich auf die Terrasse des Restaurants und esse Pasta Bolognese.
Die Tage und meine Erinnerungen verschwimmen, ich wache jeden Tag woanders auf, weiß für einen Augenblick nicht, wo ich bin. Das Tageslicht blendet mich durchs Fenster. Neben mir sind meine Klamotten, Waschzeug, Kekse. Es riecht nach verschwitzten Socken. Ich liege sauber in meinem Schlafsack und schließe nochmal für ein paar Minuten die Augen.
Nach einem Frühstück aus den Resten von gestern mit lauwarmem Kaffee schultere ich den Rucksack. Einen Fuß vor den anderen. Die Sonne brennt mir auf der von Sonnenmilch verklebten Haut, kilometerweit keine Zivilisation. Muss mein Wasser einteilen. Ich laufe von Brunnen zu Brunnen — manche davon trocken, besorge Essen in kleinen Shops — wie in DayZ, mit dem Ziel die Map zu erkunden.