Memo aus Pamplona: Stiere und rosa Stiefel #2
An einem wunderbar sonnigen Tag erreiche ich gegen 16 Uhr Pamplona. Ich überquere den ‘Plaza del Castillo‘ und bleibe ein Stück weiter vor der Stierkampfarena ‘Plaza de Toros‘ stehen. Die Stadt ist voll wegen den Osterfeiertagen. Ich beschließe zwei Pausentage einzulegen und jeden Abend drehe ich eine Runde von der Arena aus über die ‘Calle de la Estafeta‘ durch die Altstadt. Hier werden die Stiere bei der Fiesta durch die Straßen getrieben.
Ich mache mir Gedanken. Wie soll ich diesen Camino bezwingen? Erst 65 Kilometer geschafft. Santiago ist so unendlich weit entfernt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man dort zu Fuß hinkommt.
Die Pyrenäen liegen wenigstens schon hinter mir. Tage voller Regen, Matsch und Schweiß. Ich hatte so viele soziale Kontakte wie das letzte gesamte Jahr nicht. Eine Nacht schlief ich in einer Albergue — bis aufs letzte Bett ausgebucht. 183 Betten. Zum Abendessen teilten sie uns in zwei Schichten auf. Ich landete an einem Tisch mit acht Frauen aus Korea, so zwischen 50 und 60. Unsere Sprachbarriere war hinderlich, also versuchten wir mit unseren Handys zu übersetzen. Die Frau neben mir sprach in meins.
„Hunde Ostereier“, sagte sie.
Ich sah sie ratlos an. Dann schenkten sie mir ein kleines koreanisches Kreuz aus Knüpftechnik. Für mich sieht es aus wie ein kleiner, rosafarbener Stiefel.
„Das schmeckt köstlich“, sagte ich.